Seit 1877 Ortswehr Weserdeich

Wir begrüßen Sie recht herzlich und freuen uns, dass Sie sich über die Ortsfeuerwehr Weserdeich informieren möchten.


Für seine 70-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Weserdeich wurde Walter Müller (links) von Gemeindebrandmeister Klaus Niekamp (rechts) im Beisein von Ortsbrandmeister Gerold Schlötelburg (Mitte) geehrt.
Bild: Gabriele Bode

Wie sehr sich die Zeiten und Ausrüstungen geändert haben, wurde in der Feierstunde mehrfach deutlich. Geblieben ist die Verbundenheit des Oberlöschmeisters mit den Einsatzkräften.

Weserdeich Ausrücken mit dem Fahrrad anstatt im modernen Einsatzfahrzeug mit Navigationsgerät: das können sich viele der aktiven Feuerwehrmitglieder gar nicht mehr vorstellen. Als Walter Müller am 1. Januar 1949 kurz vor seinem 15. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Weserdeich beitrat, war das hingegen normal.

Und mit dem kräftigen Tritt in die Pedalen war man beispielsweise bei einem Einsatz sogar schneller in Bettingbühren, als die damals schon motorisierten Berner Kameraden, erinnerte sich der Oberlöschmeister schmunzelnd.

70 Jahre Mitgliedschaft – das war natürlich ein Anlass, den langjährigen Kameraden im voll besetzten Weserdeicher Feuerwehrhaus gebührend zu feiern. Aktive Mitglieder, Alterskameraden sowie Angehörige hatten sich dort genauso eingefunden, wie Bürgermeister Hartmut Schierenstedt, Fachbereichsleiter Michael Heibült und Gemeindebrandmeister Klaus Niekamp, der dem Jubilar die Ehrennadel des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes ansteckte.

Mit einer Haussammlung wurde 1950 die von der Landesfeuerwehrschule Loy gekaufte TS 8 (Tragkraftspritze) finanziert, erinnerte Ortsbrandmeister Gerold Schlötelburg an vergangene Zeiten. Im Winter musste sie in einem frostgeschützen Raum untergebracht werden, lautete einer der wenigen Einträge im Dienstbuch von Ortsbrandmeister Karl Ellinghausen. Auf einem einachsigen Anhänger wurde die Tragkraftspritze, genau wie die schweren Hanfschläuche und alle anderen Gerätschaften transportiert – bis dieser 1960 auf dem Weg zu einem Einsatz zusammenbrach und von der Gemeinde durch ein Fahrzeug, das sich selber bewegen konnte, ersetzt wurde.

Die damalige Garage an der alten Schule war allerdings so eng, dass das Fahrzeug per Hand hinein- und herausgeschoben werden musste.

Die Kohlfahrt, die erstmals 1962 stattfinden sollte, musste wegen des Hochwassers ausfallen. Stattdessen wurden entlang des Deichs sieben Keller und fünf Zisternen leergepumpt. Zwei Jahre später wurde die Ausrüstung modernisiert und die Wehr bekam eine neue TS 8.

Nachdem Walter Müller 1949 mit Uniformrock, Stahlhelm, Koppel, Schirm- und Skimütze als persönliche Schutzausrüstung ausgestattet seinen Dienst antrat – die Hose musste aus eigenen Mitteln angeschafft werden – wurde er 1955 zum Oberfeuerwehrmann, zwei Jahre später zum Hauptfeuerwehrmann, 1960 zum Löschmeister und schließlich 1964 zum Oberlöschmeister befördert.

Geehrt mit der silbernen Ehrennadel des Oldenburgischen Feuerwehrverbands wechselte Walter Müller am 8. September 1995 zu den Alterskameraden.

Das Ehrenzeichen der Gemeinde habe extra angefertigt werden müssen, denn so lange Mitgliedschaften kommen selten vor, dankte der Bürgermeister dem Jubilar für das jahrzehntelange Engagement. Bei einem gemütlichen Kohlessen wurde der Ehrentag nach dem offiziellen Teil in großer Runde genossen.

Text: Gabriele Bode